
ELIXIER - Das aktuelle BALSAMFIEBER-Doppelalbum
Schon länger angekündigt ist es nun endlich soweit:
Das neue BF-Album erscheint am 26. Oktober 2026.
Es ist erstmals in DER Form ein besonderes Doppel-Album, ein Konzert und eine Musiktherapie, die Klangreisen auf einzigartiger Weise erlebbar machen.
Möglich wurde dies durch die sechsjährige Zusammenarbeit von 10 Musikern aus ganz Deutschland (darunter einer koreanischen Sängerin und eines prominenten Klangmeisters).
Hier ist Musik möglich geworden, die es nur bei BALSAMFIEBER. gibt: Hymnische Lieder auf Koreanisch, Deutsch und Englisch, außerhalb von gängigen "Hitparadenformaten", lange Klangreisen, interagierende Soli zwischen Saxophon, Querflöte und verschiedenen Gitarrenstilen; spannende Improvisationen und inhaltlich geht es um Folgendes:
Im Jahre 2026 wurde bei einer Ausgrabung in Thüringen / Deutschland, neben verschiedenen Knochen, Tonscherben und einen bislang noch unbekanntem Mechanismus, eine Flasche mit einem geheimnisvollen Elixier gefunden.
Nach genauer Analyse der Substanz konnten 16 Artefakte daraus rekonstruiert werden, die jetzt zu einem zweieinhalbstündigen Ton-Werk und den dazugehörigen Schriften übersetzt und zusammengestellt wurden.
Einem internationalen Team von Multiinstrumentalisten gelang es, das Tonmaterial vollständig und in bester Qualität zu rekonstruieren.
Sämtliche Schriften wurden aus dem koreanischen, deutschen und englischen Urtext übersetzt und liegen hiermit erstmals wie auch das Tonmaterial als vollständiges Werk vor.
Bis auf eine Ausnahme handelt es sich um die Aufzeichnungen eines einzelnen Protagonisten, den wir hier als "Wanderer" bezeichnen wollen, denn bei dem entdeckten Manuskript handelt es sich um Notizen, die er über Jahrzehnte lang während seiner Reisen gemacht hat.
Näheres zu dem Projekt, sowie weitere Infos zu Mitwirkenden, den einzelnen Stücken, technischen Daten etc. findet sich hier: >>>>>

Balsamfieber-Interview:
"Klangreisen-Therapie wohldosiert"
(September 2026)
Klaus Spielvogel (K.S., Journalist)
Mario Höll (M.H., Gründer und kreativer Kopf von Balsamfieber)
K.S.: Von dem Musikprojekt Balsamfieber haben wir schon länger nichts mehr gehört, jedenfalls nichts Neues, woran lag´s?
M.H.: Da ich zum Glück (?!) nicht für das Musikgeschäft arbeiten muß und dazu Vieles alleine mache, also die Musikproduktion und die zugehörige Planung, Grafik und leztendliche Umsetzung eines fertigen Werkes, dauert das natürlich immer ein paar Jahre mehr als bei den Anderen, die dazu ihre Leute haben.
Diesmal war es auch noch ein Doppel-Album, welches umgesetzt werden wollte.
K.S.: Das Album "Ambient" war ja auch schon ein Doppelalbum, welches vor zwei Jahren erschien. Was hatte es damit auf sich?
M.H.: Ja, das war so: Ein paar Stücke waren schon für das jetzige Projekt (Elixier) rudimentär fertig. Da wurde ich von einem befreundeten Wissenschaftler gefragt, ob ich nicht für seine öffentlichen Präsentationen etwas Hintergrundmusik hätte. "Hintergrundmusik" fand ich immer etwas abwertend, in dem Sinne wie "da plätschert irgendwas, was Niemand bemerkt, was keine Aufmerksamkeit erregt und nicht stört (Fahrstuhlmusik?). Aber es gibt natürlich Ausnahmen (z.B. von Brian Eno). Derlei Überlegungen brachten mich dann auf die Idee, mal alles aus ca. 40 Jahren BF-Musik, was sich dazu eignet, zusammenzustellen. Da galt es also, mitunter nur wenige Minuten irgendwo rauszuschneiden, das dann neu zusammenzufügen und in die natürliche Tonart umzuwandeln, da ich dachte, das klingt so besser. Auch stellten Einige fest, daß sich die BF-Musik wenig für den Hintergrund eignet, insgesamt wohl etwas "fordernd" war. Das spornte mich aber um so mehr an, mal in eine andere Richtung zu arbeiten.
K.S.: Was ist eine "natürliche Tonart"?
M.H.: Alles, was im Universum schwingt (je nach Frequenz nehmen wir das als Licht, Farbe oder Töne wahr), läßt sich mathematisch auf die Frequenz 432 Hz zurückführen, das ist ein Naturgesetz. Zum Beispiel kann man Planetenbahnen hörbar machen, indem man die Frequenzen in den hörbaren Bereich runterrechnet. Man wird dann immer irgendwo auf die Frequenz A=432 stoßen. Der Kammerton A=440 Hz wurde ja in den 40iger Jahren staatlich-gesetzlich festgelegt. Gerade bei Ambient-Musik, also generell bei den ruhigeren Tönen, die nicht unbedingt in ein "Hitparadenformat" passen müssen, merkt man spätestens dann den Unterschied. Man bedenke: Der Kammerton A=440 Hz wurde sicher auch deshalb dahin transferiert, weil man wollte, daß die Hörer künstlich aufgereizt und animiert sein sollten, das jeweils aktuelle System zu fördern und mit entsprechender Euphorie in beständiger "Partylaune" zu halten, was viele Menschen schließlich nach zu VIEL davon, unzufrieden macht, obwohl sie nicht wissen, warum.
Es wurde später z.B. mal geprüft, wie Naturvölker singen, die sich ja nicht mit Frequenzmessungen beschäftigen; und man kam auch hier wieder auf diesen natürlichen Kammerton von 432 Hz!
Vor einigen Jahren habe ich ein Lied gemacht über ein Hornissenvolk (Anm. d. Red. "Für die Königin", zu hören auch auf dem aktuellen Album "Elixier"), wo ich das Summen von Hornissen verwendet habe. Da ich mal interessenhalber gemessen hatte, als die gerade ihre Temperatur im Nest reguliert hatten (die stehen dazu in der Luft), waren es übrigens genau 432 Hz!
Nun wurden natürlich auch etliche Musikalben schon seit den 70ern so aufgenommen - es ist nicht genau bekannt welche - aber man spürt es dann doch irgendwie, wenn man das an sich heranläßt, das also bewußt hört.
Das so entstandene BF-Doppel-Album "Ambient" (das ist also ein wirkliches Spezial-Produkt!) wird weiterhin ab und an aufgeführt, z.B. auch in diesem Jahr wieder. "Aufgeführt" heißt hier natürlich, daß es als "Ambiente" dient, z.B., um einen Ort dezent zu beschallen, also wirklich "nur" den Hintergrund. Dieser "interagiert" allerdings mit dem jeweiligen Ort, das ist also dann nur für Diejenigen wahrnehmbar, die das wirklich wollen.
K.S.: Ja, das ist interessant! Was gibt es also aber nun Neues in 2026 bei Balsamfieber?
M.H.: Zunächst einmal ist das Doppel-Album "Elixier" endlich nach etwa sechsjähriger Arbeit fertig. Diesmal war es wieder einmal nicht so ganz einfach gewesen.
In der Corona-Zeit hatte ich vor, ein paar Stücke für ein zweieinhalb-stündiges Konzert aus allem Material aus 40 Jahren BF-Musik (Anm. d. Red.: Big Fantasy, The BF, Balsamfieber etc.) zu destillieren und für Konzerte vorzubereiten. Dazu mußte ich, ohne daß ich die dazu nötigen Musiker hatte, zunächst alles per Synthesizer und Sequenzer (nebst Drumcomputer, Sampler etc.) einspielen, was mir auch Spaß machte.
Das war also allein MEINE Aufgabe. Früher hatte ich das schon mal so ähnlich begonnen, aber jetzt galt es, alles in Einzelspuren so zu realisieren, damit ich hernach herangehen könnte, um zu sehen - ob es je nach Konzert Musiker gibt - die dann die Synthesizer durch ihre jeweiligen Instrumente ersetzen können. Das mußte also sozusagen "modular" aufgebaut sein, so daß das je nach Möglichkeit in 2er-, 3er- oder gar einer größeren Besetzung funktioniert.
Und tatsächlich meldeten sich auf meine Online-Anzeige gleich mehrere Gitarristen und ein Produzent (der gleichzeitig Bassist, Gitarrist, Perkussionist, Sänger und mehr ist). Zeitgleich hatte auch der Bassist Matthias Kallenberger, mit dem ich schon früher zusammengearbeitet hatte, Lust, noch mal mitzumachen, auch hatte ich ihn dazu "angestupst". Seine Spezialität sind nämlich die Improvisationen, von denen es auch mehrere auf dem Album gibt. Somit waren wir plötzlich sechs Leute im Bunde!
Jetzt galt es natürlich für mich, aus der neuen Konstellation das Beste herauszuholen, zumal der Produzent und Multiinstrumentalist Michael Junghannß sagte: "Wir machen nicht nur Live-Vorlagen, sondern alles gleich richtig und mit allem, was technisch möglich ist!"
Das fand ich nun als neue Herausforderung sehr motivierend, zumal ich bisher nicht die Möglichkeit hatte, mit so vielen hochkarätigen Musikern zusammenzuarbeiten, sodaß ich kurzerhand das ganze Projekt als neues BF-Album umbaute.
Man merkt es dem Werk am Ende nicht an, daß es kein reguläres Studioalbum ist, bzw. aus 40 Jahren "geklaut" sein könnte.
Vielmehr ist es für alle, die von Balsamfieber (BF) noch nie gehört haben, DAS Referenzwerk überhaupt und zusätzlich ein Live-Album, es übersteigt alle bisherigen Alben klanglich und bildet quasi die Essenz aus allem, weil wir bisher nicht DIESE Möglichkeiten hatten.
K.S.: Das hört sich nach einem interessanten Projekt an!
M.H.: Ja, so war es auch, das Ganze zog sich dann also über sechs Jahre hin und brachte mich wirklich an meine Grenzen(!), da ich nämlich komplett umdenken mußte und Vieles ab jetzt ganz anders war als 39 Jahre zuvor.
Seit etlichen Jahren hatte ich fast gänzlich alleine gearbeitet. DER Vorteil dabei ist hier, daß niemand meckert, aber der Nachteil, daß man nach langer Arbeit sich alles leicht schönhört und eventuelle Fehler gar nicht mehr selber merkt, also etwas die Realität daran verliert.
Angefangen hatte das Projekt eigentlich mit dem Saxophonisten Frank Frai, mit dem ich zusammen für einen Liedermacher ein Video produzierte.
Ich fragte ihn, ob er nicht auch für mich mal etwas spielen könnte. Ich schickte ihm dann gleich alle 16 Stücke (!). Tatsächlich hat er zu denen dann in relativ kurzer Zeit sein Saxophon eingespielt. Jetzt hatten wir also 16 Stücke mit Elektronik, Gesang + Saxophon. Das klang Dank Frank Frai - der genau wußte, was ich mir vorstellte, ohne daß ich ihm das je sagen mußte - so spektakulär neuartig, daß ich das auf jeden Fall auf einer Platte haben wollte. Zumal er mit seinem Saxophon fast sämtliche Soloinstrumente ersetzen mußte, denn Gitarristen hatten wir damals ja noch nicht im Boot. Ich selbst spiele ja übrigens Gitarre nur Mithilfe von Studiotricks, live also höchstens mal ein paar Powerchords.
K.S.: Das wäre hier also Elektronik & Saxophon, sozusagen pur?
M.H.: Ja, das wäre es dann gewesen, wenn sich zwei Jahre später nicht der Produzent Michael Junghannß gemeldet hätte, der dann einige Stücke Co-produzierte und Gitarren, Bässe und Perkussion dazu einspielte. Vom seinem bisherigen Musikerleben konnte ich zudem noch sehr viel lernen. Aber ich mußte ihn auch immer mal bremsen, da sonst das Projekt in eine völlig andere Richtung gegangen wäre und ein neues Konzept mit etlichen weiteren Jahren Arbeit erforderlich gewesen wäre.
Ein Jahr später kam dann der Gitarrist Jan Rohden dazu, der hauptsächlich Akustische Gitarre und ein besonderes Instrument namens "Pedal-Steel" mitbrachte. Da waren wir nun also schon derer Sechs. Das Saxophon fand ich aber so genial und vor allem fern jeglicher Klischees, daß das unbedingt drin bleiben mußte; was bedeutete, daß die anderen Musiker sich danach unterordnen mußten bzw. interagieren bei ihren jeweiligen Soli.
Während nun also immer mehr Spuren online eintrafen, konnte ich endlich viele meiner synthetischen Grundlagen durch "echte" Instrumente ersetzen, außer das Schlagzeug, das mußte elektronisch bleiben, da sich auch nach jahrzehntelanger Suche kein Schlagzeuger für das Projekt fand. Da habe ich dann als letzte Konsequenz wirklich jeden einzelnen Schlag extra elektronisch bearbeitet. Da ich zudem zwischenzeitlich immer mal auf die Anderen warten mußte, hatte ich die Zeit z.B. dann auch für solche Feinarbeiten genutzt, die einen enormen Aufwand bedeuten, das ist, obwohl alles am Computer gemacht, Feinarbeit mit der Maus (inklusive "Maus-Arm").
K.S.: Das hört sich alles wirklich nach sehr viel Aufwand und etwas schmerzhaft an.
M.H.: Du sagst es! Ich dachte, die letzten Album-Produktionen von BF wären aufwendig gewesen, aber DAS hier wuchs zu einem gigantischen Aufwand mit der insgesamt bisher längsten Dauer-Arbeitszeit an. Diese Großproduktion und die unzähligen Stunden Studiozeit wären auf normalem Wege (Profi-Studio nebst einem Stab Musiker und Techniker) natürlich unbezahlbar für mich gewesen, zumal die Fäden aller über ganz Deutschland verteilten Musiker hier bei mir zusammenliefen.
Nun, da wir es also ein für alle Mal gleich richtig machen wollten (!), schälte sich schon früh ein Konzept heraus. Da kam mir plötzlich ein spektakulärer Fund zu Hilfe.
K.S.: Eine Art Elixier?
M.H.: Ja, bei einer Ausgrabung wegen Bauarbeiten vor Ort, fand ich neben Knochen, Tonscherben und einem seltsamen, verrosteten Mechanismus eine verschlossene Flasche, ein Viertel voll mit einer Flüssigkeit. Das Interessante dabei ist - daß die Flüssigkeit (riecht tatsächlich wie ein Elixier; Kampfer ist sicher auf jeden Fall mit drin) - die Flasche innen so verfärbt hat, daß darin eine Art "Miniaturuniversum" entstand.
Die Flasche lag gut verschlossen über hundert Jahre in der Erde und so konnten sich wohl diese farbenfrohen Strukturen bilden.
Da hatte ich also gleich den Titel, die optische Entsprechung und das Konzept; denn ohne Konzept habe ich noch nie gearbeitet.
Es entstanden nämlich von mir niemals einfach nur ein paar Lieder, sondern alles hängt immer mit allem zusammen und entwickelt sich über eine längere Zeit kontinuierlich weiter.
Es war dann leicht, die bereits feststehenden Stücke aus 40 Jahren BF-Musik in das neue Konzept zu integrieren.
K.S.: Das Ganze verstehst Du also tatsächlich als eine Art "Heilmittel"?
M.H.: Genau. "Balsamfieber" hatte ja schon immer den Anspruch, nicht wie die Meisten eine Art "Unterhaltungstanzmusik für Partys" zu machen, sondern zusätzlich eine Art "Heilmittel" zu sein, auch wenn das hier jetzt ein wenig größenwahnsinnig klingt! Wer sich aber jemals die Zeit nimmt, DAS zu hören, kann darin eintauchen, nebenbei wunderbare Miniaturuniversen in Ton und Bild entdecken und danach gestärkt daraus hervorgehen und das übrigens ganz ohne Drogen! Da diese Art "Musiktherapie" bei mir seit Jahrzehnten sehr gut funktioniert, möchte ich das gerne auch anderen Hörern empfehlen.
Ich dachte mir nun also, "DAS HIER oder niemals wird es je funktionieren!"
Damals 1987, als mich die Muse küßte, hatte ich von Anfang an die Idee, genau DAS zu machen, was die Anderen sich nicht trauen, weil sie Unmengen von Kompromissen (gesellschaftlich und wirtschaftlich) eingehen müssen.
K.S.: Welche Kompromisse meinst Du dabei genau und welche Erfahrungen hast Du damals gemacht?
M.H.: Musiker, die von ihrer Musik leben, müssen sich an die Regeln halten, die die Musikindustrie vorgibt, es ist schließlich ihr Beruf und alle unterstehen Jemandem. Musiker und Produzenten stehen dann natürlich unter dem ständigen Zwang, "hitparadentauglich" bzw. irgendwie "verkäuflich" zu sein. Sie dürfen etwa ihre Lieder nicht über vier Minuten machen, müssen den ersten Refrain spätestens nach 20 Sekunden bringen, sie brauchen ein werbewirksames Video mit möglichst hübschen Mädels oder Jungs darin und für ihre Platte möglichst viele Sponsoren. Verkaufen tun sie allerdings heutzutage sowieso nur wenig davon, es sei denn, sie touren das ganze Jahr hindurch rund um die Welt und verkaufen dabei ein paar Platten bei ihren Konzerten, Ausnahmen sind natürlich die gemachten "Superstars". Der Rest kann zudem ohne einen berühmten Namen nur schwer von Musik und Kunst überleben.
K.S.: Man könnte denken, daß DU das alles nicht brauchst für Deine Umsetzung?
M.H.: Sagen wir, ich hatte NIE eine echte Chance, so etwas erreichen zu können, weil ich immer die "falsche" Musik gemacht habe, als Solist über nur wenig Charisma verfüge, also keine "Rampensau" bin und lieber im Hintergrund die wichtigen Dinge realisiere, die nötig sind, um ein Album zu produzieren.
Heutzutage wäre das "Star-Sein" mit solch einem durchgeplanten Konzept noch schwieriger, gerade also für DIEJENIGEN, die das beruflich machen wollen. "Beruf" ist also hier nicht gleich "Berufung".
K.S.: Also DU machst das nur aus Berufung?
M.H.: Natürlich, und nur DADURCH ist zumindest in meiner Musik alles erlaubt: Etwa halbstündige Stücke, freie Improvisationen und Songs mit unkonventionellem Aufbau, Arrangements mit speziell erarbeiteten Klängen, gefunden nach langer Suche oder langwierigem Programmieren von seltenen Synthesizern und verrückten Aufnahmemethoden etwa.
K.S.: Ich merke, Du steckst da eine Unmenge Energie rein.
M.H.: Das ist ein weiteres Thema, da wird es nun etwas "philosophisch": Ich mache das wie gesagt nicht wegen dem Geld, sondern wegen der SACHE! Mit Musik Geld verdienen, da hatte ich schon im Gründungsjahr unseres Duos "Big Fantasy" 1987 sehr wenig Hoffnung:
Wir als Schöpfer von "Experimentalmusik", hätten zunächst einmal eine große Menge Geld gebraucht (wir befanden uns ja damals außerdem in der tiefsten DDR-Zeit, mitten im Berufsleben als Schlosser und ohne nötiges Hochschulstudium, ohne dieses wir übrigens nie hätten legal öffentlich auftreten dürfen!). Um die Technik dazu und das Wissen zu erwerben, wenn man eine Platte aufnehmen wollte, geschweige denn dann eine live-taugliche Band zu etablieren - auch die hätte man wohlgemerkt bezahlen müssen - es sei denn, es fänden sich mindestens vier absolut Gleichgesinnte, die genau DAS wollen und KÖNNEN, um eine Band zu bilden; hätten wir etliche Jahre gebraucht, ohne überhaupt etwas Fertiges produzieren zu können.
Als arme Ossi-Schlosser (wir beide, Mario Hassard und ich, trafen uns 1987 in der Ausbildung zum Schlosser), hatten wir nur die Möglichkeit, zu improvisieren (was wir zum Glück im sozialistischen Betrieb während der Arbeit gelernt hatten). So haben wir also dann mit Pappeimer-Schlagzeug und Kassettenrekordern musiziert und wir konnten z.B. sogar ein Klavier auf Kassette aufnehmen, da wir uns natürlich keine "echten" Instrumente leisten konnten. Die Badewanne mit Gummiseil ergab alternativ z.B. einen prima Baß oder der nötige Studio-Hall wurde durch möglichst viele Kochtöpfe im Waschhaus erzeugt. Der Gesamtsound entstand letztlich im Kassettenrekorder mit seinen eingebauten Billig-Mikrophonen. Das klang zumindest revolutionär neuartig!
So entstand im Laufe der Jahrzehnte durch viele Experimente tatsächlich ein ganz eigenes Miniatur-Klang-Universum, selbstverständlich ohne alle Regeln, die uns aber bekannt sein sollten, weil wir uns natürlich eine Ausbildung als Musiker AUCH nicht leisten konnten und die nötige Zeit dazu hätten wir sowieso nicht gehabt, denn neben unserem Hauptberuf ging es zunächst nur darum, eine Platte zu produzieren (in Wirklichkeit tatsächlich ZWEI Kassetten)! Man bedenke den Wahnsinn: Zwei Betriebs-Schlosser ohne jegliche musikalische Kenntnisse und ohne echte Instrumente, nur mit zwei Kassettenrekordern aus dem Jugendweihegeld bewaffnet, nehmen eine einzigartige und weltweit beachtete Langspielplatte auf (Big Fantasy "Meditations", 1988).
K.S.: Logischerweise klingt das natürlich wiederum absolut nicht allzu hitparadentauglich?!
M.H.: Erst im Laufe der Jahre haben wir dann begriffen, daß es SO GANZ ohne Regeln aber auch KEINE Musik ergibt, die sich jemand freiwillig anhören würde, außer natürlich die STASI.
Einige der Experimente mußten unserer Meinung nach aber schließlich drinbleiben, nebst ein paar systemkritischen Texten, damit da am Ende etwas Besonderes und Unverwechselbares daraus wird.
Und da komme ich hier noch genauer auf die ENERGIE zu sprechen: Albert Einstein sprach einst ja davon, daß Energie nicht verlorengehen kann. Da stellt sich natürlich die Frage, WO da in der Musik die Energie ist, die wir da reingesteckt haben und das war übrigens nicht eben wenig?! Hoffentlich verpufft sie nicht als pure Wärme und fördert noch den Treibhauseffekt? Nein - ich glaube wirklich - sie steckt in der Musik drin und kann vom Hörer nach Bedarf abgerufen werden! So habe ich mir das jedenfalls gedacht, besonders hier bei unserem Werk "Elixier", welches gleichzeitig ein Konzert UND auch noch eine Therapie darstellen soll.
K.S.: Das wäre wirklich insgesamt eine schöne Sache und man hätte auch noch das Gefühl, daß der ganze Aufwand nicht ganz umsonst war. Gibt es übrigens auch noch "systemkritische Texte" dabei und was sagte eigentlich die STASI dazu?
M.H.: Systemkritische Themen finden so offiziell nicht mehr statt, außerhalb der Themen, die man zum Nachdenken benutzen KANN aber nicht MUSS. Über die Jahre wollte ich so eine Art "zeitlose Musik" erschaffen und ich fand es dann unangemessen, AKTUELLE Themen so direkt anzusprechen, denn man muß ja bedenken, daß sich alle paar Jahre politische Themen derart ändern, so daß sie entweder völlig konträr sind oder aber veraltet, so daß gerade jüngere Hörer gar nicht mehr wissen, worum es hier eigentlich geht. Es ist dann veraltet, spielt keine Rolle mehr, die Namen der aktuellen Herrscher werden vergessen, alles ist wieder NEU und ANDERS. Deshalb sind mir in meiner Musik immer Themen wichtig, die hoffentlich auch noch in Jahrzehnten interessant bleiben. Das sollte auch für die Klänge gelten, wobei das aber nicht so einfach ist, es sei denn man hätte KEINERLEI Einflüsse, weil man auf einer einsamen Insel geboren wurde.
UMSONST wäre die Aufnahme neuer BF-Musik meiner Meinung nach also SO oder SO nicht. Der Aufwand ist niemals umsonst, weil, es gibt ja außerdem noch den Aspekt der Weiterentwicklung der Musik und die nicht unwichtige Improvisation ist zudem zusätzlich weiterhin am Werk.
Was die STASI betrifft: Offensichtlich waren wir "Musik-Schlosser" für die dermaßen uninteressant, daß sie uns nicht mal eine Akte widmeten (ich fand das fast schon enttäuschend). Aber andererseits: Gut, daß sie uns in Ruhe ließen, um im Untergrund unser Debüt-Album produzieren zu können.
K.S.: Erzähle mal mehr über Eure Praktiken der Musikproduktion.
M.H.: Improvisation gab es von Anfang an bei BF, nur wußten wir früher nicht, daß es auch DA ein paar nützliche Regeln gibt. Die lernten wir dann von Ax Struck, mit dem wir einige Jahre zusammenarbeiteten. Der hatte uns, bevor er uns im Internet entdeckte, schon 20 Jahre eigene Forschung voraus. Bevor er letztes Jahr im Mai verstarb, gab er mir noch einige Vorlagen mit, die sich lohnen, sie noch weiterzuentwickeln. Seit 2002 fließen immer mal einige seiner Ideen in unsere Musik mit ein, außerdem FANDEN wir uns, weil wir gleiche Inhalte (geistige und musikalische) hatten.
Zum Thema Improvisation habe ich erstmals bei dem aktuellen Werk etwas ganz Besonderes umgesetzt: Da die sieben Musiker, die an dem Werk "Elixier" mitwirkten also über ganz Deutschland verstreut sind, gab es nur wenige Treffen hier vor Ort. Etliche der Aufnahmen fanden deshalb außer den Treffen vor Ort, in den Studios der Beteiligten statt, der eigentliche Austausch erfolgte dann über das Internet.
Bei einer Improvisation ging ich deshalb z.B. folgendermaßen vor: Zuerst spielte ich mit zwei Synthesizern eine freie Improvisation. Dann gab ich die dem Saxophonisten Frank Frai mit der Bitte, meine Aufnahme vorher nicht anzuhören, sondern quasi live dazu etwas einzuspielen. Da war ich dann wirklich verblüfft, wie er das in eine völlig andere Richtung lenkte, so daß ich meine Aufnahme - die ihm ja zuvor nur als Vorlage diente - anpaßte, nämlich indem ich die vielen virtuellen Regler im Bruchteilsekundenbereich programmiertechnisch hoch- und runter schob (Hüllkurven genannt) und meine ursprünglichen Einspielungen dann dabei sehr zurücknahm.
Nun diente diese NEUE Vorlage dem Bassisten Matthias Kallenberger und am Schluß dem Gitarristen Jan Rohden - wieder mit der Bitte, das vorher nicht anzuhören - als Vorlage für IHRE Improvisationen.
Ich nenne das hier also "Geführte Improvisation". Ich glaube nicht, daß das schon mal jemand SO gemacht hat.
K.S.: Natürlich muß ich hier auch mal fragen, was es mit den doch recht speziellen Titeln in mehreren Sprachen auf sich hat, bzw. gibt es da "geheime Botschaften" in den Texten, außer den politischen, die ja, wie Du sagst nicht drin wären?
M.H.: Geheime Botschaften gibt es nicht. Alle Texte entstehen auch hier in einem langwierigen Prozeß. Früher in den 80igern war es ja uncool, Deutsch zu singen, das konnten sich nur ganz wenige Stars leisten, nämlich weil die schon berühmt waren. Wir versuchten es zunächst mit einem Wörterbuch. Da kamen dann recht interessante Texte raus, die aber weder ein Engländer noch ein Deutscher je verstehen konnte, weil wir natürlich keine Grammatik konnten!). Dann holten wir uns Hilfe, die aber meist keine ECHTE Hilfe war, denn die selbsternannten Übersetzer GLAUBTEN nur, Englisch wirklich zu können! Irgendwann hatte ich nicht mehr die Lust noch die Zeit, Englisch richtig zu lernen (ich meine RICHTIG, nämlich daß z.B. auch die Metaphern - von denen es bei uns nicht eben wenige gibt - für ALLE verständlich sind).
Das Koreanische hat sich viel später ergeben durch unsere Sängerin Jin Mi Jeong - die wäh-rend der Jahre bei BF sich auf meine Empfehlung hin - etwas mit Gesang beschäftigt hat, obwohl auch sie keine ausgebildete Sängerin ist.
Ich selbst habe um die Jahrtausendwende beschlossen nur noch in meiner Muttersprache zu singen, nicht nur, weil ich mir das Geld für die Übersetzter sparen wollte, sondern vielmehr habe ich erkannt, daß es selbst in der Muttersprache nicht leicht ist, etwas ohne "Schlagerattitüte" auszudrücken. Dazu hatte ich dann einige Inspirationen.
Was die Inhalte der Texte betrifft, da habe ich mir selbst das Ziel gesteckt, niemals meine Hörer derart zu bevormunden oder in irgendeiner Art zu belehren. Alles, was hier jemals zur Sprache kommt, ist immer für ALLE frei, interpretiert zu werden, wie das JEDER Hörer will. Allenfalls möchte ich gerne zum Nachdenken anregen, was aber auch kein Zwang ist! Es gibt ja auch Leute, die nur unterhalten werden wollen und auch DIE sind herzlich willkommen. Es ist mir natürlich bewußt, daß auch DAS immer politisiert oder anderweitig mißbraucht werden kann. Nun, da habe ich aber wenig Bedenken, da die BF-Musik sicher immer eine Art "Nischenprodukt" bleiben wird. Nicht, daß ich das unbedingt so wollte, aber sie paßt nun mal nicht derart in die Welt, ohne die vorher genannten Kompromisse einzugehen.
K.S.: Man könnte also sagen, daß Du versucht hast, sprichwörtlich "Aus der Not eine Tugend zu machen"?
M.H.: Stimmt, das ist nur eine Facette aus vielen, wo gerade DESHALB Neues entsteht, wenn man keine vorgegebenen Strukturen verwendet (die sind ja leicht aus den Computer-Programmen von heute einfach einzusetzen und weil das so VIELE tun, klingt es dann auch irgendwie GEWÖHNLICH, vor allem aber austauschbar). Benutzt man die Vorlagen absichtlich NICHT, ist man gezwungen, sein eigenes Gehirn zu benutzen und vor allem wie ein Schlosser in der DDR zu improvisieren, damit die scheinbar hoffnungslos kaputte Maschine wieder läuft. (Da kam es damals z.B. vor, daß die alten Kollegen auf eine Welle, die völlig abgenutzt war, neuen Stahl aufschweißten, dann abdrehten und daraus eine neue Welle schufen, weil es eben DIESE Welle nicht zu kaufen gab).
K.S.: Auf Eurem neuen Gruppenbild hier seid ihr übrigens derer Sieben.
M.H.: Ja, eigentlich sind wir die "Glorreichen Sieben der sterbenden Musiklandschaft"! Johann Eichenseer, der Gitarrist, kam noch kurz vor Schluß dazu, weil ich gerade versuchte herauszufinden, wer bei meinem Mentor Ax Struck damals musikalisch mitgewirkt hat. Wir versuchen nämlich gerade sein Werk ebenfalls mit einem Doppelalbum zu dokumentieren. Den Johann habe ich dann einfach gefragt, ob er nochmal mit seinem früheren Mitmusiker zusammen spielen würde. Er wußte zunächst gar nicht von seinem Tod und daß es unvollendete Stücke von ihm gibt.
Da es aber Jahre zuvor eine Art "Fusion" mit BF gab, habe ich auch bei dem aktuellen Projekt wieder ein paar Sequenzen und ein Stück von Ax Struck, das wir zusammen live mehrmals spielten - von welchem es aber noch keine richtige Studioaufnahme gibt - eingebaut. Johann hat dann auch das einzige Problemstück auf dem Album gerettet und noch ein paar Gitarrenaufnahmen für andere Stücke gemacht. Da sein Gitarrenstil sich sehr von den beiden anderen Gitarristen unterscheidet, bat ich ihn, nun noch etwas mehr für unser Album zu spielen.
K.S.: Gab es da Regelungen zwischen Ax und BF in Form einer Art "Nachlaß"?
M.H.: Ax Struck hatte mir schon vor Jahren Material in Form von MIDI-Sequenzen zur Verfügung gestellt (programmiert auf seinem Sequenzer Yamaha RM1x), die ich jederzeit zu fertigen Songs weiterentwickeln darf. Das habe ich seit 2010 auch bei jedem Album von Balsamfieber getan. Es gibt da immer mal ein oder zwei Stücke aus diesem Fundus. Schade, daß er gerade unser gemeinsames Paradestück "Prisoner" in seiner finalen Fassung nicht mehr hören konnte.
Seine Angehörigen wollen nun also das von mir empfohlene Doppel-Album umsetzen. Das fände ich wirklich wichtig, da es endlich alle relevanten Stücke in sehr guter Qualität bieten würde.
K.S.: Wie wird es nun aber bei Balsamfieber weitergehen?
M.H.: Wir sind gerade mit dem "Elixier-Projekt" (zweieinhalb Stunden Konzert) startklar mit genügend Material, daß wir live umsetzen können, Dank des "modularen" Konzeptes, siehe oben, um die verschieden aufgebauten Besetzungen auf die Bühne bringen zu können. Wie fast immer in unserer fast 40 jährigen Geschichte, ist ein Veranstalter dazu wichtig, der für den nötigen Rahmen sorgt. Normalerweise machen so etwas natürlich die dazu nötige Plattenfirma und ihr Manager. Auf die beiden hoffen wir im Moment noch. Und wir wollen auch hoffen, daß wir mit unseren (insgesamt) 425 Jahren Lebenserfahrung da ein wenig Unterstützung bekommen, um nicht auch noch das komplette Management selbst machen zu müssen, denn darunter würde dann die Musik leiden. Notfalls würde dann nämlich fast keiner mehr unsere neue Musik hören können, da wir alle zu alt sind, um die noch rauszubringen.
NEUE Musik ist natürlich immer geplant. Dazu gibt es z.B. schon ein fertiges Konzept aus meiner Feder. WER dabei sein wird und wie lange es dauern wird, darüber sage ich lieber nichts. Übrigens ist das Elixier absolut zeitlos!
K.S.: Vor noch nicht zu langer Zeit gab es Euch ja erstmals auch auf einem Festival zu hören und zu sehen, wie lief es da z.B.?
M.H.: Das war interessant! Ich war bei einem benachbarten Festival in der Nähe, um neue Inspirationen zu finden, als ich ein Plakat für ein ANDERES Festival sah, welches das erste seiner Art sein sollte. Wieder zu Hause, bewarb ich mich gleich per E-Mail und bekam schon einen Tag darauf - es war ein Sonntag - einen Anruf vom Veranstalter, ob ich nicht bei ihm auftreten will.
Da ich gerade das BF-Album "Ambient" fertig hatte, welches ab sofort als Bewerbung diente, dachte ich zunächst daran, das als eine Art Installation aufzuführen. Der Veranstalter wollte aber Live-Musik (auch irgendwie logisch!). Da mußte ich aber erst mal um etwas Zeit bitten, da ich ja noch keine Live-Band parat hatte. Nach einer Umfrage sagten aber Frank Frai am Saxophon, Matthias Kallenberger am Baß, Jan Rohden an der Gitarre, Jin Mi Jeong am Gesang und ich an den Tasten zu, und wir mußten recht schnell ein Programm aufstellen. Für aufwendige Proben war allerdings nicht mehr genug Zeit und so gab es von uns anderthalb Stunden Improvisation und nur wenige Songs darin, Dinge, in denen wir über die Jahrzehnte allerdings recht geübt waren.
Da standen wir also am hellichten Tag unter einem Zelt und spielten unser erstes Festival. Immerhin hat das thematisch prima zum "Innerlight-Festival" gepaßt, denn das Publikum begab sich nach den wichtigen Tanzeinlagen etwas ermüdet - bei uns dann auf der Wiese liegend - auf eine Art Klangreise zwischen Kosmos und Ozean.
K.S.: Wird es denn bald mehr davon geben irgendwann?
M.H.: Also wegen mir gerne! Nun haben wir ja Dank des Elixier-Projektes viel mehr Möglichkeiten, d.h., wir können je nach Örtlichkeit und Art des Publikums wählen zwischen Ambient, Songs, Experimenten und Improvisationen. Mir persönlich wäre immer eine ausgewogene Mischung aus ALLDEM angenehm. Auch für die optische Seite wäre stets gesorgt, denn wir hätten für etwa die Hälfte der Show - sicher will auch der Lichtmann noch etwas zu tun haben - Videos aus ca. 20 Jahren parat!
Das WIE obliegt allerdings immer den Möglichkeiten des jeweiligen Veranstalters. Eine Band mit Namen "Balsamfieber" gibt es in dem Sinne übrigens für die Live-Projekte nicht direkt, aber wie man sieht, gibt es Mitmusiker die sich dann ggf. finden werden dafür.
K.S.: Wie geht es dann mit Balsamfieber mit dem hauptsächlich bekannten Studio-Projekt weiter?
M.H.: Zunächst wie immer mit einem neuen Themen-Album. Die Grundlage dafür ist bereits seit einigen Jahren gelegt. BF ist ja seit fast 40 Jahren eigentlich schon immer hauptsächlich ein Studioprojekt gewesen, keine BAND im dem Sinne - obwohl ich das sehr gerne gewollt hätte! Hier in einer "finsteren Provinz im Osten des Landes" war das ohne Umzug und Neuorientierung sicher nicht anders möglich gewesen, außerhalb der Corona-Zeit. Also machte ich aus der Not eine Tugend und quasi dadurch etwas völlig NEUES daraus.
Da lag also die Priorität schon immer darin, NEUE Musik zu erschaffen. So soll es auch noch möglichst lange weitergehen! Das Projekt "Elixier" ist übrigens kein reguläres Studioalbum im eigentlichen Sinne. Ein SOLCHES ist aber wieder in Planung, das wäre dann das 13. seiner Art. Mehr kann ich dazu aber noch nicht verraten, da das ja erst am Anfang steht.
Zuvor wird es aber Musik für einen Expeditionsfilm, der in Sibirien spielt, geben, darum wurde ich nämlich gebeten. Danach geht es also erst mit dem neuen Projekt weiter.
Zwischendurch produziere ich natürlich wieder ein paar Videos, denn ich weiß, daß viele Menschen heutzutage kaum die Konzentration haben, eine Stunde stillzuhalten um Musik zu hören. Das ist ein Dilemma, weil Konzerte oder auch aufgezeichnete Musik unter dieser Stunde nicht mehr als Gesamtkunstwerk wahrgenommen werden können (Thema: Reizüberflutung durch soziale Medien, wie etwa Whats-App). Damit sieht es z.B. selbst um die Klassiker wie Bach, Beethoven, Mozart und viele andere Komponisten schlecht aus (es wäre sozusagen ihr zweiter Tod!), denn sie machten meist zusammenhängende Werke von ca. 40 Minuten (die passen übrigens auf eine Schallplatte). Was die Auftritte anbelangt, da kann ich nur auf die Zusammenarbeit mit den Leuten hoffen, die so was können und wollen. Bitte meldet Euch einfach!
K.S.: Wäre eine LP (Langspielplatte in Form von Vinyl) für Euch dann nicht mal eine Alternative?
M.H.: Ich würde es sehr gerne machen! Aber da kommen wir dann immer wieder zu dem Punkt, wo ich leider sagen muß, daß das dann doch eine Plattenfirma übernehmen müßte, denn die Produktion und der sich anschließende Vertrieb letztlich ist finanziell im Alleingang nicht machbar, das kommt für mich ohne Sponsoren also nicht in Frage!
Beim aktuellen Projekt "Elixier" stand ich vor der Frage: Mache ich bis zur letzten Konsequenz alles selbst (wie z.B. beim letzten Studio-Album "Voces"?
Da "Elixier" aber nun doch die aufwendigste Produktion aller Zeiten für BF wurde, meinte ich, am Ende noch DEN Klangmeister fragen zu müssen, der schon zwei Alben für BF klanglich gigantisch erhoben hat, nämlich Eroc (Mitgründer von Grobschnitt, Mastering-Meister für viele Weltklasse-Alben von A-Z und Solokünstler von Hits wie z.B. "Wolkenreise"). Unter anderem produzierte er die besten Alben eines meiner Helden aus den frühen 90igern - Philip Boa - und natürlich viele Weltklasse-Alben aus den 80igern und viel mehr noch aus den 70igern. Diese Alben hört man deutlich heraus, sie klingen absolut transparent und druckvoll, da hört man Details heraus, die man glaubte, daß die da gar nicht drin wären. Man kann quasi sich selbst heraussuchen, welches Instrument man HEUTE genauer hören will. Dadurch kann man eine Platte jedesmal NEU hören. Das macht jede Platte zu einem einzigartigen Hörerlebnis und das ist genau DAS, was ich immer wollte! Ohne diesen berühmten Klangmeister mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung wäre das aktuelle BF-Werk SO definitiv nicht möglich und sinnvoll gewesen!
Zu guter Letzt fragte ich auch den Mitbegründer von BF Mario Hassard, ob er nicht außerhalb seiner Kompositionen auf dem Werk nicht noch einige kleinere Gesangsbeiträge beitragen möchte. Das tat er dann auch und er lieh zudem seine Stimme einer seiner Kompositionen. Damit wären wir eigentlich bei 10 Mitwirkenden!
K.S.: Das bringt mich natürlich zu der nicht unwichtigen Frage, wie Du das doch beachtliche Werk unter die wenigen Musikhörer bringen willst, die es dafür scheinbar noch gibt?
M.H.: Da sprichst Du DEN wunden Punkt überhaupt an, aber den WICHTIGSTEN eigentlich! Letztlich sind wir Künstler alle abhängig von dem System, welches es uns erst ermöglicht, die "Darstellung der Welt" zu beschreiben. Die Aufgabe DAS zu tun, ist die Aufgabe des Künstlers, das finde ich jedenfalls.
Dies und Ähnliches hat übrigens der Regisseur Andreji Tarkowskji einst treffend so ausgedrückt: "Das Wesen der Sache liegt darin, daß wir in einer Welt der Vorstellungen leben, die wir selber schaffen. Wir hängen von deren Unvollkommenheiten ab, aber wir könnten natürlich auch von ihren Vorzügen und Werten abhängen. Und zu guter Letzt im Vertrauen: Die Menschheit hat außer dem künstlerischen Bild nichts uneigennützig erfunden, und vielleicht besteht tatsächlich der Sinn der menschlichen Existenz in der Erschaffung von Werken der Kunst, im künstlerischen Akt, der zweckfrei und uneigennützig ist. Vielleicht zeigt sich gerade darin, daß wir nach Gottes Ebenbild erschaffen wurden."
Das MATERIAL ist also reichhaltig vorhanden und DER, der danach sucht, wird es zu gegebener Zeit finden!
Das bringt auch die Sache wieder auf den Punkt, bei dem es letztlich immer darum geht, nämlich, ob ich das mache, um zu überleben (es ist sicher schön, einen Beruf zu haben, der auch noch Freude macht!). Außer mir gibt es aber sicher noch andere Menschen, die vielleicht NICHT das Geld haben, für Luxus (zu dem zählt heutzutage alles, was man als "Kunst" bezeichnen mag). Und an DIESE Menschen wende ich mich explizit.
K.S.: Das sind sicherlich Gedanken, die bis zum Kern vordringen. Kannst Du das noch etwas näher erläutern?
M.H.: Nur kurz noch: Im Prinzip läuft für mich alles darauf hin, daß, wenn die Menschheit Teil einer Art Schöpfung ist und wir sozusagen mit der Fähigkeit ausgestattet wurden, mit unseren Möglichkeiten schöpferisch tätig zu sein, dann wäre das ja ein ganz NATÜRLICHER Akt, der in unseren Genen liegt und Kreativität (das steckt ja schon in dem Wort!) für JEDERMANN etwas sein sollte, das die Menschheit generell voranbringen würde. Denn wozu haben wir DIESE Gedanken und WARUM denken wir so viel über SOETWAS nach, wenn es nicht einen Nutzen außerhalb des Kommerzes und des Überlebenskampfes gäbe? Das wiederum schließt den Kreis mit der erweiterten Frage: "WO ist die Energie, die wir schaffen und WOZU dient das Alles überhaupt?"
K.S.: Darüber sollte sicher Jeder einmal nachdenken!
Ich bedanke mich für das ausführliche Interview! Es gäbe noch viel zu reden über ähnlich spannende Themen. Gerne wollen wir das Gespräch in Zukunft noch fortsetzen. Für heute wollen wir unsere Leser aber nicht zu sehr überfordern. bzw. den Rahmen sprengen. Wir planen also einen weiteren Teil an dieser Stelle.
M.H.: Ich danke auch Dir, es freut mich, einmal ausführlich über solche Themen sprechen zu dürfen, schließlich gibt es dazu nur wenig Gelegenheiten. Gerne tue ich das jederzeit wieder!

Vor 30 Jahren erschien das Album "Siesta"
Das 30. Jubiläum des Albums ist 2027. Anläßlich dazu wird es dann einen neuen Text an dieser Stelle geben, nebst einem Video. Zunächst erst einmal der Text zum 20. Jubiläum:
1996 nach einer kleinen Pause, schrieb ich zusammen mit Diana an neuen Stücken, doch dann kam es zwischen uns beiden zum Bruch, sodaß Dianas Stimme schließlich auf dem Album fehlte, drei Stücke hatte sie noch mitkomponiert. Das Team Hassard / Höll aber hatte sich im Lauf der Jahre eingespielt und "Siesta" wurde das bislang harmonischste Werk, wie aus einem Guß, aber auch das Aufwendigste, an dem wir immerhin zwei Jahre arbeiteten. Den langen Winter über bastelten wir nahezu isoliert an den Stücken, abgeschlossen von der Außenwelt. Es sollte nichts dem Zufall überlassen werden. Aufgenommen wurde dann wie Ende der 60er Jahre auf einem Vierspurrekorder und in Ermangelung der nötigen Gitarrensoli spielte ich diese mit dem Kawai K4-Synthesizer ein, der über einen Gitarrenverstärker per Mikro abgenommen wurde. Ein wenig E-Gitarre wurde aber dann doch auch erstmals verwendet. Mario Hassard spielte eine alte DDR-Orgel, eine Weltmeister TO-200/53. "Siesta" wurde ein sehr stilles und weltfremdes Werk, es klingt auch wie aus einer anderen Welt und Zeit, irgendwie entrückt und friedlich, ich möchte sagen, daß danach lange nichts mehr Derartiges entstand, erst bei Balsamfieber bediente ich mich wieder dieser Stimmungen. Die Produktion war technisch sehr schwierig, eine Menge kleiner Mischpulte und Effektgeräte wurden da verkabelt und es gab einen ständigen Kampf gegen technische Unzulänglichkeiten. Mario Hassard hatte Probleme mit seinen Ohren, er spielte nahezu taub nur nach den Takten und wir nahmen unzählige Durchgänge auf. Am Schluß mußten dann 16 Spuren MIDI auf zwei Spuren der Vierspurmaschine zusammengefaßt werden, zwei blieben dann noch für Gesang, Gitarre und Orgel frei. Alles in allem eine Sisyphusarbeit, die sich aber lohnte, denn erstmals übten wir richtig und ich beschäftigte mich mit Atemtechniken, weil ich nun Vieles alleine singen mußte, ich fand hier erst meine Stimme. Zum ersten Mal wurde dann auch ein Album von BF von einem Profi in einem richtigen Studio gemastert, wo wir vor Ort quasi live den Mix fuhren. Draußen machten wir zur entrückten Musik die entsprechend passenden Fotos, lauter Stilleben und Diana blieb wenigstens auf dem Titelbild. Nach "Siesta" wußte ich, daß das nun der Höhepunkt dieser Musik sein würde, alles, was danach käme, wäre nur eine Wiederholung, die technischen Möglichkeiten waren ausgereizt und fortan sollte alles anders werden. Hört man sich "Siesta" heute an, stellt man fest, daß das wirklich zeitlos klingt. Ist das meditative Rockmusik fast ohne Gitarren? Sonderlich komplex ist es nicht, nach den Strophen folgen Refrains und dann diverse lange Soli. Wenngleich die Synthesizer allerlei simulieren, bleibt es doch zu 100 % handgemachte Musik, die sich besonders dann im Zusammenhang zu etwas Einzigartigem verdichtet.
An der 20 Jahre später erschienen Version wurden einige Dinge klanglich verbessert, die damals im Studio zeitlich nicht machbar waren, also einzelne Störgeräusche entfernt, etwas EQing sowie alles noch etwas entrauscht. Auf der optischen Seite wurden die alten Fotos bearbeitet und die gesamte Grafik neu gestaltet.
Mario Höll, 20. September..2026
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